Stadtteil - Muggenhof Eberhardshof-Muggenhof Geschichte

Stadtteilgeschichte - Die Erbschenke

Wo heute in der Fuchsstraße 35 ein Autohändler seine Fahrzeuge anbietet, befand sich einst die älteste Gastwirtschaft Muggenhofs. Ihre Wurzeln reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück. In einer Urkunde aus dem Jahr 1510 bestätigte kein Geringerer als Kaiser Maximilian I. einem Georg von Leonrod dieses Brau- und Schankrecht. Über Jahrhunderte blieb dieses Privileg ein Zankapfel zwischen der Reichsstadt Nürnberg und den Herren von Leonrod. Im 2. Markgrafenkrieg und im 30-jährigen Krieg wurde auch die alte Erbschenke zerstört.

Das heutige Gebäude an der Fuchsstraße 35 stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit etwas guten Willen ist am Giebel noch das bayerische Wappen zu erkennen.
Mit der Eingemeindung nach Nürnberg im Jahr 1899 avancierte Muggenhof in den Folgejahren zum Ausflugsziel, wie die Beschreibung eines Reiseführers von 1926 zeigt:
„Dieser kleine Ort (Muggenhof) liegt auf einem Hügel am linken Ufer der Pegnitz und ist sowohl von den Bewohnern Nürnberg´s als auch von denen Fürth´s ein gern besuchter Ausflugsort. Die Restauration daselbst hat einen sorgfältig gepflegten Wirthschaftsgarten, das Gebäude hübsche Repräsentationsräume und einen Tanzsaal. Das Anwesen eignet sich besonders zur Abhaltung größerer Feste und ist Küche und Keller vorzüglich bestellt. Der strebsame Restaurateur hat vor einiger Zeit alles hübsch renoviren lassen, so dass das Ganze einen freundlichen Eindruck auf den Besucher macht. Auch wird die Restauration Muggenhof wegen ihrer gesunden Lage gerne von Rekonvaleszenten und Sommerfrischlern zu längerem Aufenthalt ausgesucht, welche alle nicht genug die freundliche Bedienung, vorzüglichen Betten und gesunden Zimmer loben können.“
Unter dem Namen „Kuglers Restaurant“ hatte sich eine erfolgreiche Ausflugsgaststätte in Muggenhof etabliert, die von der Familie Kugler bis in das Jahr 1936 betrieben wurde. Im Erdgeschoss befanden sich neben einem Tanzsaal mit 150 qm auch eine Garderobe und mehrere Nebenräume.
Ende der 1930er Jahre scheint die Gastwirtschaft nicht mehr gut gelaufen zu sein. In einem Brief an die Gewerbepolizei beschwerte sich Käthe Kugler besonders über die neugebaute Kläranlage: „Diese Anstalt wurde unmittelbar angrenzend an meinen Wirtschaftsgarten gebaut und es ist durch hunderte von Unterschriften erwiesen, dass diese Anlage nicht geruchlos war! Meine Kundschaft hat das volle Glas stehen lassen und ist vor dem Gestank ausgerückt“.
1942 wurde der Wirtschaftsbetrieb für immer eingestellt, als der Luftschutz die Räumlichkeiten für Schlafräume und ein Materiallager requirierte.

R. E.

Quellen:
StadtAN C 22/III
- Gärtner, Georg: Rund um Nürnberg. Streifzüge im Nürnberger Burgfrieden, Nürnberg 1926.

Abbildungen: privat

Die ehemalige Gaststätte Erbschänke Fuchsstrasse 35

Das bayerische Wappen an der Fuchsstraße 35

Postkarte um 1900 Die Erbschänke

Postkarte um 1900 Die Erbschänke