Die Troerinnen / Poseidon-Monolog

Zehn lange Jahre tobte der Trojanische Krieg – „die Mutter aller Kriege“. Jetzt ist, durch Odysseus‘ List, die unzerstörbare Mauer überwunden und die Stadt liegt in Schutt und Asche. Die überlebenden Frauen werden verlost und als Sklavinnen für Haus, Hof und Bett von den Griechen in die Fremde verschleppt. Zuvorderst die trojanische Königin Hekabe, der alles genommen wurde: Mann, Kinder, Macht und Volk. Doch dabei belassen es die „Sieger“ nicht – brutal ermorden sie ein unschuldiges Kind, damit es in ungewisser Zukunft nicht zur Bedrohung werden kann. Die Angst, den Anderen, den Fremden nicht kontrollieren zu können, führt zu einer unfassbaren Tat. Der antike Blick auf die Opfer des Krieges und die Deformationen durch Gewalt und Vertreibung erhält angesichts der weltweiten Kriegsgeschehen und Migrationsbewegungen ganz neue Aktualität und Brisanz. Zugleich thematisiert Euripides’ fast 2500 Jahre alte Tragödie auch die Schwierigkeit, Leiden überhaupt zum Ausdruck zu bringen. Der junge Autor Konstantin Küspert erhielt 2017 den Publikumspreis des Mülheimer Dramatikerpreises. Seine Stücke waren unter anderem am Badischen Staatstheater Karlsruhe und am Staatsschauspiel Dresden zu sehen. Seiner Übertragung von Euripides’ „Troerinnen“ stellt er eine wütende Rede des Meeresgottes voran, die den Menschen ein erschreckendes Bild vorhält.