Das Ding

„Im Anfang war das Gewürz.“ Auf der Suche nach günstigen Handelswegen, um Muskat und Nelken nach Europa zu bringen, gelang Fernao de Magalhaes, genannt Magellan, 1522 die erste Weltumseglung. Gut fünfhundert Jahre später ist die Welt ein Dorf. Waren und Informationen rasen in unglaublicher Geschwindigkeit um den Globus. Was an einem Ende der Welt geschieht hat am anderen Ende Auswirkungen, die man als Einzelne*r kaum noch übersehen kann. Welche Folgen hat das Steak auf meinem Teller für den argentinischen Bauern? Was passiert eigentlich mit den Waffen, die in meiner Nachbarschaft hergestellt werden, wenn sie die Grenze einmal überquert haben? Stellvertretend für all diese Dinge, lässt Hausautor Philipp Löhle in Das Ding eine Baumwollflocke um die Welt reisen. So schnell, dass sie gar nicht weiß, wie ihr geschieht. Eben noch in Afrika, wird sie plötzlich gepflückt, verpackt, verschickt und verarbeitet, landet in China und schließlich in Deutschland. Auf ihrem Weg verbindet sie Menschen, deren Leben völlig fern voneinander und doch aufs engste miteinander verknüpft sind. Eine Fußball Nachwuchshoffnung wird plötzlich unverhofft als genialer Fotograf gefeiert, während ein chinesischer Geschäftsmann sich im Internet in eine dessen Schwester verliebt. Deren schweizer Exfreund versucht derweil in Afrika Bauern zu ökologischer Landwirtschaft zu überreden. Und während das Ding weiterreist, entspinnt sich zwischen den Kontinenten eine Globalisierungskomödie über Bekleidungsindustrie, Kinderzimmer, Waffenschmuggel, Liebe, einen Koi – und die Frage nach den Auswirkungen des eigenen Handelns in einer vernetzten Welt. Jan Philipp Glogers Inszenierung wird nun gut 300 Meter Luftlinie entfernt vom Standort des ältesten Globus der Welt zu sehen sein, den Martin Behaim einst in Nürnberg erfand und der Magellan den Weg wies. Die Inszenierung ist eine Übernahme vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.