Macbeth

„Heil dir, Macbeth, dir, künftgem König, Heil!“ Mit dieser Prophezeiung gerät Macbeth, dem schottischen König Duncan eigentlich loyal ergeben, in eine tragische Spirale aus Ehrgeiz und Machtwillen, Schuld und Gewissen, Verrat und Mord. Nach siegreicher Entscheidungsschlacht als Kriegshelden auf dem Rückweg zum Hof begegnen Macbeth und Banquo, die Anführer des Heeres, drei Hexen. Sie übermitteln Macbeth die verheißungsvolle Botschaft seines Aufstiegs – aber erklären im selben Atemzug nicht ihn, sondern Banquo zum Vater künftiger Könige. Banquo wird das erste Opfer des neuen Königs Macbeth sein. Denn obwohl zuerst eher verunsichert als angespornt von der geheimnisvollen Begegnung, wird Macbeth von der ungeduldigeren Lady Macbeth auf den verhängnisvollen Pfad gedrängt und begeht die Tat: Er tötet Duncan und wird selbst König von Schottland. Doch um König zu bleiben müssen weitere Taten folgen, Morde begangen werden, Menschen aus dem Weg geschafft – gerade solche, die eben noch Verbündete waren. Schottland versinkt in der Tyrannei eines Königspaares, das an Schuldgefühlen und Paranoia nach und nach zugrunde geht, gejagt von den Geistern, die es rief. Macbeth zerbricht am Verrat, den er beging. Schließlich wenden sich die Prophezeiungen gegen ihn. Die wenigen Würdenträger, die sich ins Exil flüchten konnten, ringen ihn in einem neuen Krieg nieder, er stirbt im Zweikampf mit Macduff. Und mit der Krönung von Malcolm, dem Sohn des alten Königs, kann die alte Ordnung wieder eingesetzt werden. „Ich habe die Tat getan.“ Macbeth tötet den König. Nicht aus Opposition gegen Tyrannei, nicht für politische Ideale und eine bessere Gesellschaft – sondern um selbst König zu werden. Er verstrickt sich in ein komplexes Geflecht aus magischen Prophezeiungen, Anstachelung, politischer Strategie, Machtmechanismen, Schuld, Skrupeln und Gnadenlosigkeit. Doch wie sollte er sich herausreden können? Niemals kann er die Auswirkungen seiner Entscheidungen ungeschehen machen. Regisseur Philipp Preuss, der auch in der Bildenden Kunst tätig ist, erweitert immer wieder die Theaterkunst in Richtung der bildnerischen und umgekehrt. Gemeinsam mit seinem Team entstehen stets entschiedene und entschieden unterschiedliche Welten und Ästhetiken, in denen die verschiedenen Theatermittel eine gemeinsame Wucht entwickeln. Shakespeares Blutbad aus kruden Prophezeiungen, brutal konsequenten Entscheidungen, fatalen Folgen, Gier und Schuld – eines der fiebrigsten und doch klarsichtigsten Werke über die Mechanismen der Macht und die Last von Schuld und Verantwortung – erzählt Preuss als die Summe der getanen Taten, die als Erinnerungslast nicht abzuschütteln sind.