Catch Me If You Can

„Eine Uniform vermittelt einen gewissen Zauber. Vor allem eine solche, die die Person, die sie trägt, als jemanden auszeichnet, der seltene Fähigkeiten oder Mut besitzt“, führt Frank W. Abagnale in seiner Autobiografie aus. „Ich fühlte mich großartig in meiner Pan-Am-Uniform, als ich den La Guardia Flughafen betrat.“ Und das, obwohl er alles andere als ein Pilot war, geschweige denn ein Flugzeug fliegen konnte. Aber Frank W. Abagnale konnte etwas anderes: bluffen – er war ein genialer Hochstapler. Als seine Pilotenmasche aufzufliegen drohte, wechselte Abagnale den Beruf und gab sich als Arzt aus, später als Anwalt. Die Polizisten, die ihn mittlerweile um die ganze Welt verfolgten, brachte er fast um den Verstand, doch hatten sie den längeren Atem: 1969 wurde er in Frankreich gefasst. Ein halbes Jahrzehnt hatte Abagnale das FBI an der Nase herumgeführt; die Menschen liebten ihn dafür. Es sei ihm lediglich darum gegangen, Frauen zu beeindrucken, beschreibt Abagnale den Impuls für die Hochstapelei in seinem Buch „Catch me, if you can“, das ihn in den 80er-Jahren berühmt machte. Steven Spielberg verfilmte die Zeitspanne, in der der 16-Jährige vom Scheckbetrüger zum international gesuchten Verbrecher avancierte. Allerdings sieht er in Abagnales gehetztem Leben nicht nur ein amouröses und turbulentes Abenteuer, sondern auch eine Flucht vor zerrütteten Familienverhältnissen, vor der Realität, vor sich selbst. Der Film mit Leonardo di Caprio in der Hauptrolle wurde ein Kassenknüller. Rund zehn Jahre nach der Verfilmung wurde „Catch me if you can“ am Broadway als Musical uraufgeführt. Der Komponist Marc Shaiman stammt selbst aus dem Filmgeschäft. Zu seiner Filmografie gehören Titel wie „Schlaflos in Seattle“, „The Addams Family“, „South Park“, „Der Club der Teufelinnen“ oder „Sister Act“. Mehrmals wurde er für die Beste Originalmusik oder den Besten Soundtrack für einen Oscar nominiert. 2002 hatte er mit „Hairspray“ erfolgreich sein erstes Musical geschrieben, 2011 folgte „Catch Me If You Can“, eine witzige, temporeiche Show, in der Abagnale die entscheidenden Situationen seines Lebens im wahrsten Sinne des Wortes Revue passieren lässt, musikalisch unterlegt mit einer Liebeserklärung an den Sound der 60er Jahre. Der „echte“ Frank W. Abagnale wurde übrigens zu einer Haftstrafe von 12 Jahren verurteilt, von denen er nur sieben absitzen musste: Unter der Bedingung, dass er fortan mit dem FBI zusammenarbeiten würde, wurde er vorzeitig entlassen. Abagnale spezialisierte sich auf dem Gebiet der Geldwäsche und der Identitätsfälschung und arbeitet bis heute als Sicherheitsberater von Kreditinstituten. Schließlich weiß er, wovon er spricht. Ehrlich.