Xerxers

Irgendwen muss der Mensch doch lieben! König Xerxes hat Amastre verlassen und hofft auf eine neue Liebe. In der Zwischenzeit verliebt er sich in eine Platane und singt für sie eine der schönsten Arien der Operngeschichte, „Ombra mai fù“: „Nie war der Schatten von etwas Pflanzlichem lieber, liebenswerter und süßer.“ Während Xerxes den Baum anschmachtet, dreht sich um ihn das Liebeskarussell in wilder Fahrt. Arsamene, der Bruder des Königs, liebt Romilda, in die sich auch Xerxes verliebt, als er mit der Pflanze fertig ist. Atalanta liebt Arsamene. Amastre liebt Xerxes, trotz allem und zunehmend verzweifelt. Keiner aus diesem Quintett lässt etwas unversucht, das die Bewegung der Herzen in seine oder ihre Richtung lenken könnte. Aber Gefühle können störrisch sein, widerspenstig, keinem Willen unterworfen: manchmal allzu treu, dann wieder flatterhaft und leicht in jeder Brise dieser ruhelosen Handlung aus Intrigen, heißen Tränen und sehr komischen Verwechslungen.
In seiner Oper „Xerxes“ macht sich Händel einen Spaß aus der Liebe. Er steigt nicht in die Abgründe der menschlichen Seele, sondern zeigt eine Gruppe junger Menschen auf der Suche nach sich selbst im anderen. Auf sehr vergnügte Weise hat Händel in „Xerxes“ mit vielen Konventionen der Opera seria gebrochen: Die Arien sind kürzer, liedhafter, tänzerischer als in anderen Opern, Tragik und Komik liegen immer nur einen Herzschlag voneinander entfernt.