Wissenschaft gestern, heute und morgen: Konkreter Nutzen oder reiner Erkenntnisgewinn?

Die Geburt der Wissenschaft legen wir gern in die Zeit der Vorsokratiker, allenfalls in den Schoß von Aristoteles. Aber auch dann sind bald 2400 Jahre vergangen, bis sich die moderne Wissenschaft herausgebildet hat. Traditionell unterscheiden wir Altertum, Mittelalter, Neuzeit, Moderne und Zukunft, wobei wir über die Moderne am meisten wissen. Besonders interessant sind die Übergänge, die immer auch Widerstände überwinden mussten. Das wird immer so bleiben.
Fragen über die Zukunft der Wissenschaft(en) lassen sich leicht stellen, aber nur schwer beantworten. Wir merken das nicht so deutlich, weil Prognosen ohne Zeitangaben unverbindlich sind und wir ungefähre Zeitangaben tolerant behandeln. Hauptkriterien sind die finanziellen Mittel, die wir ebenfalls nicht vorhersagen können. Paradebeispiel ist die kontrollierte Kernfusion, die nur noch zögerlich betrieben wird. Zurzeit richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die Künstliche Intelligenz, weil ihre Leistungen so „menschlich“ sind und wir damit rechnen, den Durchbruch noch erleben zu können. Alle Hoffnungen beziehen sich auf kriegsfreie Zeiten.
Gerhard Vollmer ist Wissenschaftsphilosoph und insbesondere Mitbegründer der Evolutio-nären Erkenntnistheorie. Nach Promotionen in Theoretischer Physik und in Philosophie war er als Philosophieprofessor tätig in Hannover, Gießen, Braunschweig und München (inzwischen emeritiert). Seine Forschungsgebiete sind Biophilosophie, Wissenschaftstheorie und Künstliche Intelligenz.