Der Reigen

Der „Reigen“ war ein Skandal. Vor genau hundert Jahren unter tumultuösen Bedingungen urauf-geführt und lange verboten, ist Schnitzlers Totentanz um Begehren, Erfüllung und Betrug immer noch eine Aufgabe, der sich jede Regie entschieden stellen muss: Wie zeigt man Lust, wie Erregung? Immerhin droht heute keine Verhaftung wegen Unzucht mehr. Und hinter der Erotik lauert ohnehin etwas ganz Anderes: das Spiel mit der Macht ohne Rücksicht auf sozialen Status oder Lebensalter. Jan Philipp Gloger, Anne Lenk und das Ensemble nähern sich dem Geschlechterkampf rund um die berühmtesten Gedankenstriche der Weltliteratur auf eigenwillige Weise: In nach Geschlechtern getrennten Gruppen untersuchen sie Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit bevor die Figuren aufeinander treffen.