Das Erdbeben in Chili

In dem Moment, in dem Jeronimo sich in seiner Gefängniszelle erhängen will, versinkt, „mit einem Gekrache, als ob das Firmament einstürzte“, die Stadt in Trümmern. Jeronimo hält sich an dem Pfeiler, an dem er gerade noch sterben wollte. Mit beeindruckender sprachlicher Wucht erzählt Kleist in seiner Novelle „Das Erdbeben in Chili“ von einer Katastrophe, die die gewohnte Ordnung brutal außer Kraft setzt. Er erzählt, wie die Menschen versuchen, damit umzugehen. Davon, wie in dem Moment, in dem alles zusammenfällt, plötzlich scheinbar eine Utopie aufsteigt. Davon, wie das Glück des Einzelnen das Leid vieler sein kann. Und nicht zuletzt erzählt er eine berührende Liebesgeschichte.