Online: Auf der Seite der Mächtigen – Das Wirken der Pfingstkirchen in Brasilien

Brasilien ist weltweit das Land mit den meisten Katholik*innen. Doch wie lange wird dies noch so bleiben? Charismatische Pfingstkirchen wachsen sprunghaft und könnten in absehbarer Zeit die Mehrheit der Bevölkerung erreichen. Es gibt nicht nur einen rasanten Wandel in den Zahlen, sondern auch beim Einfluss in der Politik und auf die Werte der Gesellschaft.
Der Vormarsch zeigt sich auch im brasilianischen Kongress, wo evangelikale Parlamentarier*innen immer mehr Macht bekommen. Durch diese politische Macht gelingt es unter anderem, Übertragungen auf Radio- und Fernsehstationen zu genehmigen und damit die Macht der Medien und deren Reichweite zu erweitern. Viele Pastoren der neuen Pfingstkirchen versprechen „Erlösung im Hier und Jetzt“ durch wirtschaftlichen Erfolg. Die „Theologie des Wohlstands“ ist sehr verbreitet und es wird von den Gläubigen erwartet, dass sie ihre Hingebung zu Gott auch finanziell beweisen.
Ein Zehntel des Monatsgehalts wird als Opfer erwartet. Pfingstkirchen verändern die brasilianische Gesellschaft und haben einen erstaunlichen Zulauf. Die Intoleranz gegen Andersgläubige nimmt zu und verwandelt sich oftmals in Gewalt. Konservative Werte bekommen immer mehr Raum. Mit dem Wahlkampfmotto: „Brasilien über alles. Gott über allen“ hat Präsident Bolsonaro viele Stimmen aus den evangelikalen Pfingstkirchen gewonnen. „Die Rechnung“ zahlen jetzt alle Brasilianer*innen. Ist mit diesem Wandel die Demokratie in Gefahr?
Geraldo Grützmann ist Pfarrer und ökumenischer Mitarbeiter aus Brasilien bei Mission EineWelt