Online: Rohstoffhunger und Klimaschutz – Widerstand und Alternativen in Deutschland und Bolivien

Die modernen Gesellschaften benötigen viel Energie und dafür enorme Mengen an Rohstoffen. Um den immensen Rohstoffhunger zu stillen werden Lebensräume von Pflanzen, Tieren und Menschen zerstört. Vielerorts mit Gewalt und meist ohne die Anliegen der lokalen Bevölkerung zu berücksichtigen. Überall regt sich Widerstand gegen derartige Vorhaben und Abbau bzw. Anbaubedingungen. In Lateinamerika, in Bolivien wie auch in Deutschland.
Denn angesichts des fortschreitenden Klimawandels stellt sich die Frage, wie eine dringend notwendige Energie- und Rohstoffwende weg von fossilen Rohstoffen hin zu erneuerbaren Energien gelingen kann und gleichzeitig Nachhaltigkeitskriterien global und lokal eingehalten werden können.
Mit unseren Gesprächspartner*innen aus Bolivien und Deutschland werden wir diesen Fragen nachgehen sowie uns näher mit den Situationen und Forderungen der Widerstandsgruppen bzw. Zivilgesellschaft in Bolivien und Deutschland befassen.
Der Widerstand der Zivilgesellschaft und sozialer Bewegungen im Rahmen des Extraktivismus in Bolivien richtet sich gegen Projekte im Bereich Kohlenwasserstoffressourcen (Öl und Erdgas), den Bau von Staudämmen (Wasserkraftprojekten) und gegen die Einführung gentechnisch veränderten Saatguts für die Agrarindustrie. Der Proteste gegen Bergbauprojekte, als einer Form der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, hat dabei eine lange Tradition in Bolivien. Allerdings ist der Widerstand – im Vergleich zu anderen Nachbarländern – verhältnismäßig schwach. Die Zivilgesellschaft bzw. soziale Bewegungen entwickeln aber in allen Bereichen interessante Alternativen zum Extraktivismus.
In Deutschland tun sich seit längerem Fridays for Future und Ende Gelände als Speerspitze des Widerstands hervor. Die Fridays for Future-Bewegung steht für dezentrale organisierte Demonstrationen. Nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg protestieren Schüler*innen freitags während der Unterrichtszeit auf den Straßen. Weltweit organisieren Schüler*innen und Studierende u.a. Klimacamps, Schulstreiks und Demonstrationen.
Die Aktionsformen von Ende Gelände sind offen angekündigte Blockaden fossiler Infrastruktur, wie Kohle und Gas. Diese sind auch in dem vom Abbau fossiler Rohstoffe betroffenen Gebieten sichtbar. Die Aktionen bieten vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten. Ob Aktionserfahren oder nicht, alle sollen teilnehmen können. Es werden relevante Infrastruktur wie beispielsweise Schienen, Straßen oder Bagger blockiert, Absperrungen von Polizei oder Werkschutz werden gewaltlos durchbrochen und es wird ein Bild der Vielfalt, Kreativität und Offenheit vermittelt.
Als Gesprächspartner*innen haben wir eingeladen:
Oscar Choque, Fachpromotor für Rohstoffpolitik, Entwicklung und Migration, Bolivien/ Dresden, Ayni – Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V. Oscar Choque kommt aus einer Bergarbeiterfamilie in Bolivien, hat selbst in seiner Jugend im Bergbau gearbeitet, und dann in der ehem. Sowjetunion ein Studium der Forstwissenschaften abgeschlossen. Über Umwege verschlug es ihn nach Dresden, wo er seit Anfang der 90er Jahre mit seiner Familie lebt und sich in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit einsetzt.
Fridays for Future (FFF) ist eine globale soziale Bewegung ausgehend von Schülern und Studierenden, welche sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen,
Ende Gelände (EG) ist ein europaweites Bündnis von Menschen aus vielen verschiedenen sozialen Bewegungen der Anti-Atom- und Anti-Kohlekraft-Bewegung.