Take the villa and run! (UA)

Jemand hat die Villa geklaut. Der Grundriss ist noch deutlich zu sehen aber wo eben noch ein Haus stand, ist jetzt keines mehr. Stattdessen steht da ein Chor, der gleichzeitig sagt, dass er verzeiht und dass er nicht verzeiht, er geht gleichzeitig nach vorne links und nach hinten rechts, er führt als Gruppe einen einzelnen durch ein Museum oder besessenes oder besetztes Haus oder die wiederaufgetauchte Villa. Anlass für den einzelnen und die Schauspieler*innen dort nachzudenken über die Liebe, ohne die vielleicht gar nichts da wäre, über Quantenmechanik und deren Beziehung zum dialektischen Materialismus und über Sachen wie:
„Egal, wo ich in meinem Leben irgendwas über Theater gesehen habe, irgendeine Peter Zadek-Dokumentation oder was weiß ich, was ich mir schon alles angeguckt habe, immer geht es darum, dass die Leute da in Interviews ein Stereotyp wiederholen: „Es geht nicht darum, Antworten zu geben, sondern darum, Fragen zu stellen“. Immer wieder sagen sie: „Man muss Fragen stellen, Fragen stellen, Fragen stellen...“ Und krass ist, dass sie in den Interviews in diesen Dokumentarfilmen immer das Gegenteil machen. Die ganze Zeit nur Antworten, Antworten, Antworten.“
Oder:
„Wir verbrauchen ja während den Proben ganz schön viel Papier, und da hat man manchmal schon Mitleid mit den Bäumen. Und neulich hat jemand im Fernsehen nur kurz gesagt: Wichtig ist, dass die Produkte, also das, was man produziert, wertvoller sind als die Ausgangsstoffe. Und wenn man jetzt zum Beispiel die SUPERILLU nimmt, und nen Baum..., dann gehört die SUPERILLU eigentlich verboten. Das muss irgendjemand verbieten. Das kann man nicht denen überlassen, die die SUPERILLU lesen, das nicht mehr zu kaufen. Und gestern dachte ich... Ich war ja mal strenger Vegetarier. Von 16 bis so... was weiß ich... 25 oder so. Und gestern oder vorgestern hab ich so gedacht, ob es nicht vielleicht spannender wäre – weil ich esse schon viel Fleisch – lieber den Tieren zuzugucken auf der Bühne, anstatt mir.“
Mit „Take the Villa and run!“ entwickelt René Pollesch, Dramatiker, Regisseur, designierter Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und einer der renommiertesten Theatermacher Deutschlands gemeinsam mit Mitgliedern des Schauspielensembles zum ersten Mal eine Arbeit am Staatstheater Nürnberg.
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